Buersche Zeitung (Bauer-Verlag)

vom 24.12.1999

Am 24.12.1999 erschien in der Buerschen Zeitung (Lokalteil) eine ganze Seite über die Aktivitäten des Vereins Deutsch-Polnische Alternative 1998 e.V. Dabei wird die DPA'98 aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet. Aber auch Schwierigkeiten und Hürden einer Zusammenarbeit auf städtischer bzw. verwaltungstechnischer Seite kommen in den Artikeln zum Ausdruck.

"Die macht auch was mit Polen" Pfefferminzduft und Himbeerfarbe "Gemeinheiten sind nicht zu ertragen"
"Verhältnis zwischen den Völkern entzaubern" "Ingo baut mit Gesang die Vorurteile ab" "Pendler zwischen den Nationen -  Tomasz Gutkowski"
Stichwort zurück zur Presse Startseite home

 

Die macht auch was mit Polen

PROJEKT: Stadt zeigt kaum Interesse

Die "Deutsch-Polnische Alternative 98" (DPA 98) gibt es gut ein Jahr als Verein. Die Resonanz, auf Aktionen, die die Mitglieder um Tomasz Gutkowski (Vorsitzender) und Ingo Wrobinger (2. Vorsitzender) spontan durchführen, ist enorm. Das Land ist auf den Verein aufmerksam geworden, doch in der Stadt ist er kaum bekannt.

Der "Alternative" war eines Tages ein Formular ins Haus geflattert, sich mit ihren Aktionen für den "Robert-Jungk Preis NRW" - Zukunftswerkstatt/Gesucht: Zukunftsprojekte - zu bewerben. Soziale und kulturelle Einrichtungen erproben dabei neue Wege mit dem Ziel, Leistungen auch künftig, attraktiv, qualitätsvoll, wirtschaftlich und ausgerichtet an den aktuellen Bedürfnissen der Menschen zu erbringen. "Ich weiß nicht, wer uns da verpfiffen hat", stellte Tomasz Gutkowski schmunzelnd fest. Die "Alternative 98" verschickte ihre Bewerbung an den Veranstalter, das Städte-Netzwerk NRW, und wurde eingeladen, als einziger Bewerber aus Gelsenkirchen. Doch gegen mehr als 250 weitere Kandidaten hatte sie keine Chancen. Gutkowski sieht es fair: Es waren sehr gute Projekte darunter!"

Doch was ihn enttäuschte: Es gab keine Unterstützung durch die Stadt. Deren offizieller Vertreter, Kulturdezernent Peter Rose, nahm offiziell kaum Notiz von den Aktionen der "DPA 98". Obwohl die offiziellen Vertreter ihre Projektbewerber begleiten sollten. Gutkowski hat sich mit Rose bekannt gemacht. Und der fragte sich, welcher Bewerber aus Gelsenkirchen wohl teilgenommen habe. Mit der Deutsch-Polnischen Alternative konnte er nichts anfangen. Rose habe nur gesagt: "Wenden Sie sich an die Schalker-Fan-Initiative. Die macht auch was mit Polen."     back

 

Pfefferminzduft und Himbeerfarbe

Polenurlaub: Wir predigen nicht Völkerverständigung, wir erleben sie in unberührter Natur mit freundlichen Menschen

Familie Gutkowski"Sommer mit Pfefferminzgeruch, Sommer mit Himbeerfarbe, mit grünen Wäldern und Eisvögeln..." Gefühlvoll besingt die sonore, etwas raue Stimme die malerische Landschaft Polens. "Was könnte seine Heimat zwischen Czaplinek und Krzyz trefflicher beschreiben als diese alte Volksweise, fragt Tomek", der Barde.

Zum sanften Klang der Gitarre perlen die Worte wie Tautropfen von den Lippen, zeichnen für Jung und Alt die Stimmen und die Stimmung in der Natur nach. Das ist das Polen, das Tomek so liebt, das romantische Lagerfeuer am Pommerschen Fluss Drawa, jenem Teil des Nationalparks im Nordwesten des Staates, die Stille und kaum berührte Natur, dichte Wälder und satte grüne Auen, kleine Lichtungen und Schilflandschaften. Beinahe ungestört von der Zivilisation leben dort Seeadler, Fischotter und Eisvögel, Biber und Störche. Dort fließt das kristallklare Wasser der Drawa, dort leben die unzähligen Fischarten und Flusskrebse. Die industriellen Errungenschaften spielen in Tomeks Landschaft nur eine unerhebliche Rolle.

Tomek, der eigentlich Tomasz Gutkowski heißt und seit 1981 in Deutschland lebt, mag das Land seiner Väter noch immer. Der 1955 in Breslau geborene Gutkowski hat seine Heimat wiedergefunden, die er damals ein wenig überstürzt verlassen hatte. Dieses Mal sieht er sie von der westlichen Seite aus. Er gerät ins Schwärmen, wenn er von unberührter Natur und malerischen Landstrichen erzählt.

Deshalb ärgern ihn vor allem die Vorurteile, die es in Deutschland gegenüber Polen gibt. Als ich nach Deutschland gekommen war, nannten mich viele Menschen Polack. Ich nahm das Wort als Kompliment, weil ich es nicht besser wusste. Später erfuhr ich dann, dass es ein Schimpfwort ist." Das tut weh und es brennt auf der Seele, wenn Menschen die Polen als "Diebe und Betrüger" bezeichnen, wenn die Autobahn A 2 zur "Warschauer Allee" umbenannt wird. "Es war schon eine unglaubliche Unverschämtheit, die sich ein Fernsehkomiker Harald Schmidt mit den Polen leisten durfte", ist Tomasz-Gutkowski entrüstet. Der habe das Land Polen und dessen Menschen zu Lustobjekten degradiert, ohne das Land zu kennen.       back

Gemeinheiten sind nicht zu ertragen

Dabei hatte Gutkowski die beste Meinung von Deutschland. Er war aufgewachsen zu einer Zeit, in der es nur die "guten Deutschen in der DDR", gab und die "bösen Deutschen in der BRD". Er hatte mit Kriegsfilmen gelebt, die dieses Bild überzeichneten. - Und musste dann feststellen, dass es nicht so war. Er erinnert sich noch an diesen Kanzler Helmut Schmidt, der sich für die Polen eingesetzt, ihnen die Hand entgegengestreckt hatte. "Das war beeindruckend", stellte Tomasz Gutkowski im Nachhinein fest. Da konnte er sich gut vorstellen, mit Deutschland in Frieden zu leben. Doch die gemeinen Witze zerrten an den seelischen Kräften. "Ich wollte nicht bleiben! Nur weg."

Die Sorge galt dabei seinen drei, sechs-, neun- und sechzehnjährigen Kindern. Sie sollen multikulturell aufwachsen, nicht in diesem Sumpf aus Vorurteilen und falschen Vorstellungen leben. Doch wie und wo können sie das Polen ihres Vaters unvoreingenommen und unbefangen kennen lernen, ohne dass die Eltern Zwang ausüben? Das darf nicht sein. So hatte Tomasz Gutkowski eine kluge Idee. Was ihm damals gefallen hatte, müsste eigentlich auch den Kindern gefallen-. mit dem Kanu und Kajak die Flüsse und Seen Polens bereisen.

Das war im Jahre 1994. An der ersten zweiwöchigen Reise mit der Familie durch Polen beteiligten sich auch Freunde aus Hamburg. Kinder, Jugendliche und Erwachsene bereisten als Kanu-Touristen das kaum bekannte Polen. Es war nicht immer ein Zuckerschlecken, aber es machte Spaß in T-Shirts, Shorts und Turnschuhen - oft übersät mit Mückenstichen - die Schönheiten des Landes zu erkunden. Vor allem machte es die "Touristen" stolz, mit Tomasz Gutkowski als "polnischem" Führer, einen Beitrag zur Verständigung zwischen Deutschen und Polen zu leisten.

Gutkowski: "Wir wollen den Menschen in Polen zeigen, dass nicht alle Deutschen, die in ihr Land kommen, dicke Autos fahren und Grundstücks-Spekulanten sind." Andererseits lernen die deutschen Besucher, dass Polen nicht Diebe und Betrüger sind. Wichtig ist: Niemand reist dabei mit erhobenem Zeigefinger durchs Land, um die Vorurteile abzubauen. "Wir predigen nicht die Völkerverständigung, wir erleben sie. Wir lassen den Leuten, die mit uns nach Polen reisen, ganz bewusst die Freiheit, eigene Erfahrungen mit dem Land, der Kultur, vor allem mit den Menschen zu sammeln", weiß Tomasz Gutkwoski, dass er auf dem richtigen Weg ist. 

back

 

Verhältnis zwischen den Völkern "entzaubern"

DPA 98: "Tomek" gründet mit Gleichgesinnten einen Verein

Der ersten Reise im Jahre 1994 folgten seither bis heute weitere Kanu-Touren. In aller Regel dauerten sie zehn Tage. Waren es bei den Anfängen nur elf Teilnehmer, Eltern mit Kindern, ist die Zahl mittlerweile auf bis zu 40 "Kanuten" gestiegen. "Zu viel für einen einzigen, um das Unternehmen Polen-Abenteuer logistisch mal nebenbei zu organisieren", sagt Tomasz Gutkowski.

Zumal es auch nicht mehr nur um Reisen ging. Und ein Verein werde in Gesprächen mit anderen nun mal eher akzeptiert als ein Privatmann. Deshalb gründete "Tomek" mit Gleichgesinnten im Mai vergangenen Jahres den Verein "Deutsch-Polnische Alternative 98" (DPA 98). Inzwischen organisiert DPA 98 neben Reisen auch deutsch-polnische Konzerte und Sportveranstaltungen, Sammlungen und Transport von Hilfsgütern für das feu_o.jpg (11134 Byte)östliche Nachbarland. Gutkowski: "Es ist fast schon wieder zu viel!" Doch er macht weiter, und er macht es gerne. "Denn wir wollen das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen entzaubern. Wir treten nicht als große reiche Nachbarn auf, wir verstehen die Aktionen als Geste." Der Nachbar, bei dem Veränderungen von Tag zu Tag deutlich zu spüren sind, sehe sich mit seinen Problemen nicht allein gelassen. Auf die Hilfe der Nachbarn könne er sich verlassen.

So hält Tomasz Gutkowski an seinen Urlaubsorten Vorträge über Ökologie und Ökonomie. In Zusammenarbeit mit der am Fluss gelegenen Gemeinde Zlocieniec entwickelten die Vereinsmitglieder bespielsweise ein Konzept zur Müllbeseitigung. Selbst das polnische Fernsehen hat von Gutkowskis Initiative Notiz genommen und berichtet. Die Resonanz nimmt zu. Und die Begegnung zwischen Jung und Alt? Gutkowski: "Wir lernen viel über Land und Leute kennen. Die deutsch-polnischen Kanu-Gruppen spielen Fußball miteinander und singen gemeinsam am Feuer."  back

 

Ingo baut mit Gesang die Vorurteile ab

Musik: Einer der Mittler zwischen den Nationen ist der 39-jährige Musikpädagoge Ingo Wrobinger, inzwischen 2. Vorsitzender des Vereins. "Denn mit Musik lassen sich Dämme überwinden", sagt Ingo Wrobinger. Er hat es selbst erlebt.

Als Tomasz Gutkowski sich 1997 wieder auf die Reise nach Polen machte, hatte er seine Kinder gebeten, Freunde und deren Eltern mitzunehmen. Dazu gehörte auch der Sohn von Ingo Wrobinger und selbstverständlich der begeisterte Vater. Gemeinsam machten sich elf Kinder, teilweise Schüler des Max-Planck- und Leibniz-Gymnasiums, mit den Eltern auf die zehntägige Tour. Von da an bis zur Vereinsgründung war es nicht mehr weit. Um Vorurteile abzubauen, setzen Gutkowski und Wrobinger auf musikalische Verständigung, nicht auf erhobene Zeigefinger. Denn Polen sind sehr sangesfreudig. "Tomek" weiß das.    back

 

Im Blickpunkt

Pendler zwischen den Nationen

Tomasz Gutkowski findet in Buer als Handwerker seine berufliche Zukunft

Vor 18 Jahren ist Tomasz Gutkowski nach Deutschland gekommen. Aus persönlichen Gründen hatte er damals sein Heimatland verlassen, die Kontakte aber nie abreißen lassen.

Der diplomierte Bergingenieur gelangte über Hamburg ins Revier. Drei Jahre lang (1982 bis 84) arbeitete er als Bergmann auf einer Zeche in Marl. Ende der 80er Jahre studierte er in Bochum und Wuppertal. Von 1989 bis 1993 arbeitete auf dem Bergwerk Hugo in Buer. 1991 bekam er die deutsche Staatsbürgerschaft. Zwei weitere Jahre, bis 1995, war er Mitarbeiter einer Umweltfirma, die in Osteuropa arbeitete. Als Abteilungsleiter und Geschäftsführer betreute er in Polen zwei Firmen. Erst im Jahre 1995 hatte Tomasz Gutkowski seine berufliche Zukunft gefunden. Er machte sich als Handwerker an der Hochstraße in Buer selbständig. 1989 lachte ihm das Glück beim Wintersport in Österreich. Dort traf er Maria, seine Frau. Nun ist "Tomek", wie ihn Freunde nennen, glücklicher Familienvater. Er hofft, dass die drei Kinder ohne Vorurteile aufwachsen.    back

 

Stichwort

Alternative 98 Basketball-Turnier
Auf welches Interesse die Aktionen des Vereins in Polen stoßen, macht ein Dankschreiben des Regierungspräsidenten von Breslau deutlich: "Ich möchte mich bei den Mitgliedern der Deutsch-Polnischen Alternative 1998, dem Ärzteehepaar Hahn aus Gelsenkirchen, für die Spende in Form von rund 250 kg Medikamenten sehr herzlich bedanken. Diese Spende hat nicht nur die Bedeutung der sachlichen Unterstützung des polnischen Gesundheitswesens. Es ist vor allem ein Beispiel für die Lösung von manchmal schweren Problemen unseres Landes durch einen ehrenhaften, persönlichen Einsatz. Sie stellt ein Zeugnis für ein doch gutes Verhältnis zwischen der Bundesrepublik und der Republik Polen aus." Unterzeichner ist: Witold Krochmal, Regierungspräsident von Breslau

back

Die Aktionen des Vereins will der Vorstand nicht auf das reine Helfen beschränken. "Wir dachten daran, etwas anderes zu machen", plant die Tomasz Gutkowski die nächste Aktion im kommenden Jahr. Was liegt da für einen engagierten Basketballspieler näher, als ein entsprechendes Turnier auszurichten. Vom 29. April bis 2. Mai, einen Tag vor dem polnischen Nationalfeiertag - am 3. Mai 1791 ist die erste demokratische Verfassung in Europa in Kraft getreten - veranstaltet DPA 98 in Gladbeck ein Basketballturnier mit neun Jugend- und neun Seniorenmannschaften. Aus Polen reisen 45 Teilnehmer an. Die Organisation mit Gladbeck "ging wie in Butter", problemlos. In Gelsenkirchen wäre es vielleicht auch gegangen, aber mit sehr viel Bürokratie. Deshalb nutzten Tomasz Gutkowski und seine Freunde das Angebot aus Gladbeck.

Geländewagen | Offroadbilder | Kajak | Bilder einer Kajaktour | Trekking | home | Programm aktuell | Spendenaktionen | Foto-CD | Pressestimmen | Kontakt DPA'98 | Vereinssatzung | Verein Deutsch-Polnische Alternative 1998 e.V, c/o, Ingo Wrobinger | designed by cMMdesign | letztes Update: 20.06.02